N° 5 Edition Réserve« des Winzerkellers Auggener Schäf – eine fruchtintensive Empfehlung von Weinjournalist Axel Biesler

QUALITY TIME MIT ALLMENDE

 

Nun ist das Wesen der Allmende ja, dass etwa ein bestimmter Landstrich sich nicht im Besitz einzelner, sondern einer Gemeinschaft befindet, die ihn landwirtschaftlich nutzbar macht. Wenn im Zusammenhang mit Winzergenossenschaften und ihren mitunter schwankenden Qualitäten hin und wieder von der »Allmende-Klemme« die Rede ist, darf man sich bisweilen fragen, wo es denn klemmt bei den Genossen. Die Weinberge sind jedenfalls nicht in einer Gemeinschaft aufgegangen, sondern werden damals wie heute von ihren Besitzern bewirtschaftet. Dass diese mitunter nur über kleine Parzellen in den einzelnen Lagen verfügen, ist eine Folge der Napoleon’schen Erbfolgeregelung. Bis zur Ablieferung der Trauben geht’s im genossenschaftlichen System also durchaus noch föderalistisch zu. Wie es weitergeht, steckt bereits im Wort: zentrale Traubenannahme. Vom Föderalismus im Weinberg geht’s also zum Zentralismus im Kellereigebäude, wo die Ernten hunderter Winzer zusammenkommen können, um diese Gemeinschaft am Ende mit einer Kollektion abzubilden, von der auch ihr wirtschaftliches Überleben abhängt. Ein schwieriges Unterfangen.

Wie kleinteilig darf eine Genossenschaft arbeiten, bevor es erst unwirtschaftlich und dann unsinnig wird? Dass sich etwas bewegen muss, steht indes außer Frage. Die Zeiten sind vorbei, als sich ihr Wein an einen nicht enden wollenden Strom dankbarer Touristen losschlagen ließ. Seine Fließgeschwindigkeit hat spürbar nachgelassen. Die Touristen der goldenen Zeiten sind nicht mehr die Touristen von heute. Ein Generationswechsel setzte ein. Bei den Winzern. Bei den Zechern. Wobei letztere auch ein Relikt vergangener Zeiten sein dürften, wenn Deutschlands Weinregionen heute doch viel öfter von Menschen bereist werden, die dort sogenannte »Quality time« verbringen möchten. Und die darf sich gerne abwechslungs- und erlebnisreich gestalten. Auch im Weinglas. Aus dem standorttreuen Weintouristen und treuem Kunden ist ein sprunghaftes und neugieriges Wesen geworden. Gewohnheit bedeutet ihm keine Erholung mehr. Im Weinglas ebenso nicht. Dieser Individualismus ist freilich auch bei den Winzern angekommen, wenn einige von ihnen ihrer Genossenschaft den Rücken gekehrt haben, um ein eigenes Weingut zu gründen. Waren sie damals noch Vorreiter (nicht selten als Spinner verspottet), zählen manche von ihnen heute zu den Flaggschiffen ihrer Regionen.

Wenn den Genossenschaften zuweilen der Vorwurf gemacht wird, sie hätten diese Entwicklung verschlafen, darf man dabei ihre Strukturen nicht außer Acht lassen, die naturgemäß weniger flexibel sind. Dabei ist derzeit doch zweierlei zu beobachten: Kleine Genossenschaften schließen sich zu schlagkräftigeren Unternehmen zusammen und reagieren auf den Strukturwandel, indem sie ihre Kollektionen straffen und ihre Weine individualisieren. Als schmackhaftes Beispiel mag an dieser Stelle die 2015 »N° 5 Edition Réserve« des Winzerkellers Auggener Schäf genannt sein, der 2011 aus der Fusion der Genossen in Laufen und Auggen hervorgegangen ist. Dabei werden die Weine aus ihren Paradelagen »Altenberg« und »Schäf« weiterhin an Ort und Stelle vinifiziert. Zentralisiert wurde lediglich die Vermarktung. Allein der enorm fruchtintensive und mediterranaffine Duft der »N° 5 Edition Réserve« aus dem Laufener Altenberg macht neugierig, und man ist gut beraten, sich nicht zu schnell nach der Zusammenstellung der Cuvée zu erkundigen. Zwischen Raten und Schwelgen zu schwanken ist ein guter Rat. Beim Spätburgunder wird man dabei schnell landen. Dass sein Partner zu gut einem Drittel aus Nebbiolo besteht, dürfte einigermaßen überraschen, zumal sich der Wein am Gaumen zwar herzhaft, aber keineswegs so gerbstoffbetont zeigt, wie man das bei der Sorte Nebbiolo eigentlich erwarten dürfte. Ein Manko ist das aber keineswegs. Im Gegenteil.

Hier gelang das kleine Kunststück, dem Spätburgunder einerseits seine Feinheit zu bewahren und andererseits mit dem Gefährten Nebbiolo eine würzige-kühle Cuvée mit mediterranem Charme zu kreieren. Ein Sinneswandel bei den Genossen, den man auch schmeckt. Föderalistisch erzeugte »Quality time«. Und mit Allmende auf Flaschen gezogen. Sozusagen.  

QUALITY TIME MIT ALLMENDE – Weinempfehlung von Sommelier Axel Biesler