Für Furore sorgen – eine emotionale Empfehlung von Weinjournalist Axel Biesler

Das Wörtchen Furore stammt aus dem Italienischen und kann gleichermaßen Wut wie Begeisterung zum Ausdruck bringen. Wut und Begeisterung sind zwei Paar Stiefel. Emotional zunächst ganz unterschiedlich besetzt, kann es aber schon einmal vorkommen, dass sich in die Begeisterung auch eine Portion Wut mischt, die schließlich in eine wilde Raserei mündet. Auch dafür steht das Wort Furore. An derart drastische Gefühlsausbrüche haben die Macher des gleichnamigen Weins vom Weingut Schloss Ortenberg vermutlich nicht gedacht.

Dass bei der Furore jedoch so einiges zusammenkommen kann, erscheint nicht ganz abwegig. Beim 2016er »Furore« sind das Cabernet Sauvignon, Spätburgunder und Merlot. Sind Cuvées aus Cabernet und Merlot mittlerweile überall dort üblich, wo diese Sorten zuverlässig reif werden, wird Spätburgunder aka Pinot Noir doch nur selten in einem Rotwein verschnitten. Was einerseits daran liegen könnte, dass es in Regionen, wo sich Merlot und Cabernet als rote Sorten etabliert haben, es für den Pinot Noir schlicht zu warm ist, die Sorte andererseits aber auch dafür bekannt ist, als hocheleganter Solist seine ganzen Stärken auszuspielen.

Deutschland und insbesondere Baden hat sich in den letzten Jahren zu einem der weltweit besten Pinot-Erzeugern gemausert. Der Anbau von Cabernet und Merlot hat zwar hierzulande auch dank Klimaerwärmung zugenommen, darf sich jedoch immer noch eher als Spielerei denn als ernsthafte Konkurrenz zu den Top-Erzeugern dieser Art des Rotweins, etwa im Bordelais, verstehen lassen. Somit sorgt das Weingut Schloss Ortenberg schon ein bisserl für Furore, wenn es diese drei Sorten nun in einer Cuvée vereint. Tranquiliernde 13,5 Volumenprozent Alkohol sorgen dafür, dass Rasereien unter genusstüchtigen Zechern kaum zu befürchten sind. Der saftig-frische Gesamtaustritt des 2016er »Furore« sollte ebenso seinen Teil zu einem herzhaften Beisammensein beitragen, um womöglich darüber zu schwadronieren, ob die drei Sorten überhaupt zusammenpassen und wie sie es beim »Furore« am Ende tun.

Darüber könnten und dürften die Meinungen durchaus auseinandergehen, wenn der eine mit einer Pinot-typischen Säure in einem vermeintlich kräftigen Rotwein nichts anfangen kann, und der andere genau jene elegante Kontur zu schätzen weiß. Cabernet und Merlot – darüber dürfte schnell Einigkeit bestehen – spendieren dem Wein nicht nur seinen Gerbstoffgrip, sondern auch eine bisweilen mediterran-vegetale Aromatik, die an getrocknete Tomaten und Paprika erinnert. Dazwischen aalt sich der Spätburgunder mit reifer Kirsche und adretter Säure. Weshalb der »Furore« allein niemals für Wut sorgen wird, liegt schließlich auch daran, dass niemand ernsthaft behaupten könnte, dass die in diesem Wein cuvetiertenVarietäten überhaupt nicht zusammenpassen würden. Sie tun es allein schon deshalb, weil keine von ihnen ihren eigenen Charakter auf dem Altar schierer Gefälligkeit opfern musste. Das Resultat ist ein Wein mit reichlich Kraft und zähmender Säure. Klingt widersprüchlich? Macht nichts, das kommt nicht nur beim Wein öfter vor.  

 

2016 »Furore« Cuvée, Weingut Schloss Ortenberg, Ortenberg

Für Furore sorgen