"Ohne Umweg" zum 2012 Spätburgunder Grande Rèserve - eine direkte Weinbepsrechung von Axel Biesler

Ohne Umweg

Durch das Achertal fließ die Acher. Zumindest tat sie das bis zuletzt, denn in diesem Wüstensommer drohen hierzulande bereits einige Flüsse auszutrocknen. Wenn alles normal läuft, begleitet die Acher den Rhein über eine Strecke von rund 53 Kilometer, bevor sie in denselben mündet und es gemeinsam weiter Richtung Nordsee geht. Wo das Achertal liegt, gibt es aber noch weitaus mehr als diesen Fluss, auch ein Ort heißt so. Und es nimmt dann auch nicht wunder, dass die Quelle der Acher, genau: Acherquelle heißt. Auf gut 850 Meter liegt sie. Mitten im Schwarzwald. Da dürfte es auch in diesen Hundstagen noch einigermaßen erträglich sein.

Wer sich auf Wanderschaft in diese romantische Gegend begeben hat und zur Brotzeit am späten Nachmittag Lust auf einen Schluck Rotwein verspürt, dem sei empfohlen, die ungeöffnete Flasche zunächst für einige Zeit in der kühlen Quelle zu versenken. Denn es gibt wenig Grausameres in der Welt des Weins als warmen Rotwein, dessen gustatorisches Inferno im Winter als Glühwein feilgeboten wird. Aber das ist eine andere Geschichte. Denn der genusstüchtige Zecher auf Wanderschaft lässt sich nicht lumpen, wenn er aus seinem Rucksack eine Flasche 2012er Spätburgunder »Grande Rèserve« der Villa Heynburg zieht. Die kann man von hier oben zwar nicht sehen, ist aber auch nicht sehr weit entfernt. An der Acherquelle geht’s also brutal-lokal zu.

Wo sich der Nordschwarzwald in die Vorbergzone des Oberrheingrabens verzieht, findet sich die kleine Ortschaft Kappelrodeck. Und eben auch jene Villa Heynburg, die die hiesige Genossenschaft Hex von Dasenstein bereits seit 1990 zu ihrem Besitz zählen darf. Seit 2008 gibt es nun auch Weine von dieser feinen Adresse der Ortenau. Dabei stellt die Villa Heynburg das Boutique-Weingut der Genossen dar. Und das bedeutet weit mehr, als teure Flaschen mit schicken Namen und Etikett.

Die Trauben kommen in Gänze aus den Weinbergen rund um das Schloss Rodeck und wachsen auf ganz unterschiedlichen Böden. Wobei dem Riesling die Granitverwitterungsböden am besten zupasskommen dürften, während der Spätburgunder mit den etwas schwereren Böden besser zurechtkommt. Ein Leichtgewicht ist die »Grande Rèserve« beileibe nicht. Das werden auch unsere sich an ihm labenden Wandervögel bald merken. Den Ausbau in neuen Barriques kann er nicht leugnen, will er auch nicht, denn zu seinem konzentrierten, ja bald wuchtigen Geschmack passt jene Mischung aus Rauch, Schokolade und Speck ganz wunderbar. Letzteren packen jetzt womöglich auch unsere Wanderleute aus. Schwarzwälder natürlich. Die Flasche dürfte in der Zwischenzeit auch kalt genug geworden sein. Später, beim sanften Abstieg, bietet sich ein Abstecher über das Schloss Rodeck und die Villa Heynburg quasi von selbst an. Ein Umweg ist das nicht wert. Denn es ist keiner.

2012 Spätburgunder »Grande Rèserve«, Villa Heynburg, Kappelrodeck

 

Ohne Umweg