Wein und Kürbis – eine herbstliche Weinempfehlung von Sommelière Christina Hilker

Badische Weine und Kürbis

Die größte Beere der Welt, man glaubt es kaum, ist der Kürbis. Aber Kürbisse zählen im botanischen Sinne tatsächlich zu den Beeren – übrigens genau wie die Früchte der Weinrebe. Und da Kürbisse bis zu 100 Kilogramm schwer werden können, sind sie sogar die größten Beeren der Welt. Kürbisse sind gesunde Sattmacher, reich an Inhaltsstoffen wie Beta-Carotin, Vitamin A, Magnesium, Kalzium und Kalium Die Kürbiskerne und das aus ihnen gewonnene Öl unterstützen die Abwehrkräfte des Körpers und wehren freie Radikale ab. Über 800 verschiedene Kürbissorten soll es weltweit geben, in einer großen Vielfalt an Formen und Farben. Dabei eignen sich die oftmals kleineren und auffälligeren Zierkürbisse als attraktive Dekoration, während sich aus dem reichen Angebot an Speisekürbissen von Hokkaido über Butternut bis hin zum Spaghettikürbis oder Muscade de Provence unglaublich vielfältige und kreative Speisen zaubern lassen. Da braucht es zum kulinarischen König des Herbstes dann nur noch den passenden Begleiter – und die Weine aus der badischen Rebsortenvielfalt eröffnen ein wunderbares Spielfeld!

 

2016 Weiler Schlipf Weisser Burgunder, Q.b.A. trocken, Weingut Claus Schneider, Weil am Rhein, Markgräflerland

Beim Genuss der meist leichten, fast tänzerisch anmutenden Weine der sympathischen Winzerfamilie Schneider fällt es schwer, sich vorzustellen, wie viel harte Arbeit in der extrem kalkgeprägten Steillage „Weiler Schlipf“ erforderlich ist, um einen Wein wie diesen zu keltern. Die Mühen lohnen sich – die Schneiders selbst beschreiben die Weine aus dem „Weiler Schlipf“ mit den poetischen Worten: „Mit jeder Weinernte heben wir einen schimmernden Schatz – trag seine Juwelen ans Licht“!

Dieser Weißburgunder harmoniert durch Duft und Geschmack vortrefflich mit frisch angehauchten Kürbisgerichten wie Butternut-Carpaccio mit Apfel und Pilzen oder Kürbisstrudel mit Wolfsbarsch und Quinoa. Zarte Noten von Birne, gelbem Apfel und dessen Schale verbinden sich mit mineralischen Kalknoten und feinen Anklängen, die an Anis und Muschelschalen erinnern. Sein präziser Gaumen offenbart feine Frucht, anregende Säure sowie ein kühles und ebenso erfrischendes Finish.

Bezugsadresse: www.schneiderweingut.de

EVP: ca. 8,85 Euro/0,75 l

 

2016 Vorderer Winklerberg Weissburgunder Spätlese trocken, Weingut Konstanzer, Ihringen, Kaiserstuhl

Das Weingut Konstanzer fokussiert sich wie die meisten Weingüter hier am Kaiserstuhl auf die klassischen Burgunderrebsorten. Für Horst und Petra Konstanzer, die das Weingut mit viel Herzblut im Nebenerwerb aufgebaut haben, ist es eine Herzensangelegenheit das natürliche Erbe zu bewahren. Deshalb bewirtschaften sie 85 Prozent der gesamten Rebfläche von mittlerweile zehn Hektar ökologisch.

Wunderschön gereift präsentiert sich uns dieser exotische und kraftvolle Weißburgunder, der mit einem betörenden Duft von Ananas, Orange, süßen Blüten und Quittenkompott förmlich aus dem Glas heraus zu hüpfen scheint. Mit zwei Jahren Reife befindet er sich absolut auf dem Punkt und besitzt durch die vorangegangene Spontangärung im 500 Liter-Holzfass Komplexität und Ausdruck. Sein saftiger und animierender Gaumen strahlt nicht nur pralle Frucht aus, sondern auch Mineralität und feine Säure, die sich mit einer charmanten Fruchtsüße verbindet. Ein echtes Highlight ist dieser Tropfen zu einer Vielzahl von Kürbisgerichten wie zum Beispiel Kürbissuppe mit Ingwer oder Kartoffelgratin im Kürbis gegart.

Bezugsadresse: www.weingut-konstanzer.de

EVP: ca. 16,00 Euro/0,75l

 

2016 Oberbergener Baßgeige, Grauburgunder Edition „BL“, Winzergenossenschaft Oberbergen eG, Kaiserstuhl

Die Oberbergener Baßgeige ist 280 Hektar groß und besteht aus Löß und Lehm. Oberhalb von Oberbergen liegt das Gewann „Berg Langeneck“, wo sich der Grauburgunder der örtlichen Genossen auf bisweilen vulkanisch geprägten Böden befindet.

Die Sonderabfüllung „BL“, die erstmals mit dem Jahrgang 2016 den Weg zu den Weingenießern und an ihre Tafeln fand, ist wahrlich beeindruckend: Intensive Frucht von Banane, süßer Mango und reifer Orange, unterlegt von Krokant und Vanilleschote, flutet den Gaumen mit außergewöhnlicher Saftigkeit und Kraft, wirkt dabei fokussiert, druckvoll und durchaus erfrischend. Eine Wonne zu kraftvollen Kürbisgerichten wie Kürbis-Gorgonzola-Tarte mit Cashew-Karamell und geschmorter Kalbshaxe mit Kürbis-Pinienkern-Stampf!

Bezugsadresse: www.bassgeige-wein.de

EVP: ca. 9,80 Euro/0,75 l

 

2017 Königschaffhausener Steingrüble, Pinot Noir Blanc de Noirs, Q.b.A. trocken, Winzergenossenschaft Königschaffhausen-Kiechlinsbergen eG, Endingen-Königschaffhausen, Kaiserstuhl

Diese Genossenschaft wird gegenwärtig von 650 Mitgliedern getragen. Sie bewirtschaften 330 Hektar Weinbaufläche in sehr guten Lagen.

Wie der versierte Weinkenner weiß, sitzen die Farb- und Gerbstoffe in der Schale. Presst man die Trauben ohne Maischekontakt ab, wie geschehen bei diesem Wein, erhält man einen Weißwein, der in Aromatik und Körper Nuancen zeigt, die an einen kräftigen Rosé oder leichten Rotwein erinnern. Kirschen, Zwetschgen, etwas Unterholz, Waldboden und Vanille verbinden sich mit einem würzigen und pikanten Gaumen. Dieser eröffnet im Nachhall eine feine, anregende Bitternote und harmoniert mit einer Vielzahl von Kürbisgerichten wie Camembert mit Muskatkürbis-Graupen-Salat und Romana oder Muskat-Kartoffel-Fenchel-Rösti mit Anchovisauce.

Bezugsadresse: www.shop.kk-weine.de

EVP: ca. 7,20 Euro/0,75 l

 

2016 Achkarrer Schlossberg Chardonnay Spätlese trocken, Weingut Michel, Vogtsburg-Achkarrern, Kaiserstuhl

„Der Achkarrer Schlossberg bringt nicht nur unsere international anerkannten Spitzenweine hervor, sondern er sieht auch noch verdammt gut aus. Jedoch ist er nicht nur ein Schönling, sondern auch ein Charakterberg – beinahe möchte ich schon sagen Charakterkopf. Er liebt die Hitze, die feurigen Elemente seit jeher, besteht er doch zu großen Teilen aus Lavaströmen, die vor Millionen Jahren zum typischen Kaiserstühler Vulkangestein erstarrt sind.“ Josef Michel

1983 trat Josef Michel in den elterlichen Betrieb ein. Er brachte es nicht übers Herz, die Trauben zu verkaufen, die er ein Jahr lang im Weinberg anbaute und deren Wachstum er sorgsam begleitete. Das Weinmachen juckte ihn in den Fingern und er beschloss, die Trauben nicht mehr abzugeben, sondern unter eigenem Namen als Flaschenwein zu vermarkten. Das Weingut Michel besitzt seit jeher in der Weinszene einen außergewöhnlich guten Ruf und wurde im Jahr 2018 in den renommierten Verband der Deutschen Prädikatsweingüter aufgenommen. Die mineralischen, geradlinigen und kompromisslos trockenen Burgunderweine sind absolut entdeckenswert und fantastische Speisenbegleiter. Die Chardonnay Spätlese trocken betört mit feiner hefiger Note und delikater Toastwürze, begleitet von Quitte, Muskat und einem Hauch Ingwer. Der Gaumen ist von bestechender Klarheit und deutlicher Salzigkeit geprägt, die den Speichel fließen lässt. Als Purist schon ein Hochgenuss, aber auch zum knusprigen Schweinebauch mit Butternut-Curry oder Austern mit Kürbisnage und Kaviar ein stoffiger und zugleich anregender Begleiter.

Bezugsadresse: www.weingutmichel.com

EVP: 13,50 Euro/0,75l

 

2015 Muskateller Beerenauslese, Weingut Weishaar, Eichstetten, Kaiserstuhl

Nachdem ich mich fast durch das ganze Sortiment des Familienweingutes Weishaar gekostet habe, stelle ich fest: Süßwein können die auch – und zwar vortrefflich. Frische Ananas, weißer Pfirsich, Jasmin und Muskatblüten, kandierter Ingwer und wilder Salbei strömen inspirierend aus dem Glas entgegen. Der elegante Gaumen ist von cremiger Süße und ausgeprägter Frische bestimmt – ein Süßwein, der den goldenen Herbst förmlich im Glase wiederspiegelt. Da man mit unserem königlichen Gemüse des Herbstes auch wunderbare Desserts zaubern kann wie den klassischen Pumpkin Pie, die Walnuss-Hokkaido-Tarte mit Nusskaramell und Vanillecreme oder die Kürbis-Eiscreme mit Pflaumenkompott und getrocknete Physalis, steht einer vortrefflichen Wein-Speisenkombination nichts im Wege.

Bezugsquelle: www.weingut-weishaar.de

EVP: ca. 16,90 Euro/0,5 l

Badischer Wein