Anders als in den vergangenen Jahren machte diesmal nicht die Rebsorte Findling für
den beliebten „Neuen Wein“ den Anfang. Den Startschuss gaben zwei
Spezialitätenlesen: Sauvignon Blanc sowie Weißburgunder als Sektgrundwein aus der
Spitzenlage Durbacher Steinberg. Mit 86 beziehungsweise 84 Grad Oechsle
präsentierten sich die Trauben zum Erntezeitpunkt in hervorragender Verfassung und mit optimaler Reife.
Der Geschmack der Traube entscheidet
Neben den analytischen Werten spielt für die Durbacher Kellermeister vor allem eines
eine entscheidende Rolle: der Geschmack.
„Wir ernten dann, wenn die Trauben schmecken, die Fruchtaromen voll ausgeprägt sind
und die Schalen ihre pelzige Struktur verloren haben“, erklärt Rüdiger Nilles, Erster
Kellermeister der Durbacher Winzer eG. „Oechsle, Säure und pH-Wert sind
selbstverständlich wichtige Parameter. Entscheidend ist für uns im Durbachtal aber
immer auch der Geschmack der Trauben. Er ist die Grundlage für mineralische,
charaktervolle und vor allem langlebige Weine.“
Die drei Winzerfamilien Werner, Rohrer und Klaus, die mit ihren Trauben die Weinlese
2026 eröffneten, zeigen sich insbesondere mit der Gesundheit und Qualität des
Leseguts äußerst zufrieden.
Das Vegetationsjahr verlief insgesamt sehr positiv. Die Reben entwickelten sich
hervorragend und blieben gesund. Eine besondere Herausforderung waren allerdings
die außergewöhnlich heißen Wochen und die damit verbundene Trockenheit. Vor allem
in jüngeren Anlagen waren deshalb zahlreiche Wasserfahrten notwendig.
„Die Bewässerung hat unsere Winzerfamilien viel Zeit, Arbeit und natürlich auch Geld
gekostet“, erklärt Stephan Danner, Geschäftsführer der Durbacher Winzer eG. „Einige
frühere Regenschauer hätten uns diese Arbeit sicherlich erleichtert. Umso dankbarer
sind wir, dass wir in den vergangenen zehn Tagen noch rund 30 Liter Niederschlag pro
Quadratmeter bekommen haben – für unsere Reben war das tatsächlich flüssiges
Gold.“
Ab kommender Woche nimmt die Weinlese Fahrt auf
Nach dem Auftakt mit den Spezialitätenlesen wird die Ernte ab der kommenden Woche
deutlich an Fahrt aufnehmen. Dann stehen unter anderem Müller-Thurgau und Rosé- Sektgrundweine auf dem Leseplan. Gerade bei den Grundweinen für die Sektherstellung
ist der richtige Erntezeitpunkt entscheidend, damit Frische, Säure und moderate
Öchslewerte erhalten bleiben.
Wann es den ersten beliebten „Neuen Wein“ aus Durbach geben wird, lässt sich derzeit
noch nicht exakt vorhersagen.
„Wir beobachten die Entwicklung in den kommenden Tagen sehr genau und
entscheiden dann kurzfristig, wann wir die entsprechenden Trauben lesen“, so Stephan
Danner. „Wer wissen möchte, wann der erste Neue Wein erhältlich ist, fragt am besten
direkt bei uns in der Durbacher Winzer eG nach.“
Die Ausgangslage für den neuen Jahrgang stimmt die Verantwortlichen jedenfalls
optimistisch. „Unsere Winzerinnen und Winzer haben auch in diesem Jahr wieder
großartige Arbeit geleistet und damit die Grundlage für einen vielversprechenden
Jahrgang geschaffen“, betont Danner.
Nun richtet sich der Blick vor allem auf das Wetter der kommenden Wochen. Gerade in
der finalen Reifephase können Sonnenschein, kühle Nächte und möglichst trockene
Bedingungen entscheidenden Einfluss auf die spätere Weinqualität nehmen.
„Wir wünschen uns jetzt einen schönen Altweibersommer mit sonnigen Tagen und
kühlen Nächten. Wenn uns das Wetter während der Hauptlese mitspielt, haben wir
beste Voraussetzungen für einen hervorragenden Jahrgang 2026“, so Danner.
Ganz auf Regen verzichten möchte man im Durbachtal angesichts der
vorausgegangenen Trockenheit allerdings noch nicht.
„Über ein paar Liter Regen würden wir uns durchaus noch freuen“, ergänzt Jürgen Klaus
mit einem Schmunzeln. „Am besten natürlich am Wochenende – wenn gerade nicht
geerntet wird.“