Die ehemalige Deutsche Weinkönigin Sina Erdrich über ihre Amtszeit und die Zukunft der Weinbranche

Neues Jahr, neues Glück: Die deutsche Weinkrone geht mit Katrin Lang aus Ebringen zum zweiten Mal in Folge nach Baden. Die 74. Deutsche Weinkönigin tritt damit die Nachfolge von Sina Erdrich aus Durbach an, die im Amtsjahr 2021/2022 als Botschafterin des deutschen Weins unterwegs war. In einem Gespräch mit uns hat die ehemalige Weinhoheit das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Welchen Herausforderungen sie sich stellen musste, welche Rolle ihre Heimat Baden für sie gespielt hat und was sie sich für die Zukunft des Weinbaus in Deutschland wünscht, haben wir sie im Interview gefragt.

Bevor du zur 73. Deutschen Weinkönigin gewählt wurdest, hast du sogar zwei Jahre als Badische Weinhoheit amtiert. Inwiefern hat dich das auf das Amt vorbereitet?

Bildquelle: Roadsurfer
Die ehemalige Deutsche Weinkönigin, Sina Erdrich aus dem Goldenen Weindorf Durbach, stand Rede und Antwort.

Meine zwei Jahre als Badische Weinkönigin waren die beste Vorbereitung auf das Jahr als Deutsche Weinkönigin. Ich bin mir sicher, dass ich das Jahr als Deutsche Weinkönigin nicht so gut hätte meistern können, wenn ich diese „Schule“ nicht gehabt hätte. Da war zum einen natürlich der fachliche Austausch mit den Winzerinnen und Winzern sehr bereichernd, aber auch der politische Austausch. Und zuletzt darf man nicht vergessen, dass jede Rede und jedes Gespräch mit Verbrauchern lehrreich ist und mich in meiner Kompetenz als Repräsentantin sehr weitergebracht hat.

Nach 2015 hast du die Krone erstmals wieder nach Baden geholt. Welche Bedeutung hatte deine Heimat für dich in deiner Zeit als Weinkönigin?

Ich habe mich natürlich sehr darauf fokussiert, als Deutsche Weinkönigin ganz Deutschland, also alle 13 Anbaugebiete, zu vertreten. Dabei habe ich meine Heimat Baden und ihren Stolz aber immer gespürt und das hat mich sehr gestärkt. Tatsächlich war ich sehr wenig in der Heimat, denn die Termine spielten sich in der Regel außerhalb der Anbaugebiete ab. Doch jedes Mal, wenn ich zuhause war oder wenn ich badische Winzerinnen und Winzer getroffen habe, machten sich Gefühle wie Vertrautheit, Wohlfühlen und auch Stolz in mir breit.

Wie haben deine Eltern dich als ihre Winzertochter unterstützt und welche Rolle haben sie für dich während der Amtszeit gespielt?

Ohne deren Unterstützung hätte das ganze Jahr nicht so funktioniert. Man braucht immer mal eine helfende Hand oder ein offenes Ohr, aber um ganz ehrlich zu sein: Für ein Ehrenamt braucht man hin und wieder auch finanzielle Unterstützung. Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, dass sie mich immer dabei unterstützen, meine Träume zu ermöglichen.

Worauf bist du in Bezug auf deine Amtszeit am meisten stolz?

Einige Dinge standen auf meiner Agenda: Reichweite zu generieren, um auch auf politischem Parkett für unsere Branche einzustehen, das Image des Amtes zu modernisieren und nicht zuletzt mit meinen beiden Prinzessinnen Linda Trarbach (Ahr) und Saskia Teucke (Pfalz) als Team zusammenzuarbeiten. Dabei ist auch das gemeinsame Projekt „Zusammenhalt“ entstanden – eine Rieslingcuvée aus allen 13 Anbaugebieten, deren Erlös den flutgeschädigten Weinerzeugern an der Ahr gespendet wird. Dass ich in allen Punkten mein Bestes gegeben habe, macht mich stolz – noch stolzer aber, dass unser Nachfolgejahrgang durch unsere Arbeit inspiriert wurde und jetzt schon an diese Punkte anknüpft. Nur so kann dieses Amt langfristig vorankommen und noch mehr Wertschätzung erfahren.

Du hast es geschafft, dem Amt durch Social Media ein moderneres Image zu geben. Welche Rolle spielen die sozialen Medien für dich in der Weinwerbung?

Wein ist ein emotionales Produkt. Wir verkaufen nicht nur ein Getränk, sondern eine Kultur, ein Lebensgefühl. Social Media bietet gut nutzbare Plattformen, um dies zu vermitteln und vor allem auch die jüngere Generation, also unsere Kunden von morgen, zu erreichen. Zudem können wir die Menschen über Social Media auch bei unseren Arbeitsschritten in Weinberg und Keller mitnehmen und zeigen, wie viel Handarbeit und Fleiß hinter unseren Produkten stecken.

Deine Amtszeit war sehr von der Pandemie geprägt, wie hat dich das herausgefordert oder wie haben sich hier vielleicht auch Chancen ergeben?

Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten: Zwar durfte ich meine Amtszeit nicht mit vielen Auslandseinsätzen verbringen, dafür blieb aber mehr Zeit, mich im Inland in der politischen Welt für die deutsche Weinbranche einzusetzen. Darin bin ich sehr aufgeblüht und bin mir sicher, dass dies auch großen Einfluss auf meinen beruflichen Werdegang haben wird.

In einem Interview aus 2021 hast du erwähnt, dass es dein Traum wäre, nach deiner Amtszeit Studiengänge, Ausbildungen oder Weiterbildungen zu entwickeln und verbessern. Verfolgst du diesen Plan immer noch oder inwiefern bleibt deine Leidenschaft für Wein Teil deines Lebens?

Ja, diesen Traum verfolge ich weiterhin. Bis August 2023 werde ich noch an der Hochschule Geisenheim sein und dort im Rahmen meiner Masterarbeit erforschen, welche Anforderungen die Berufspraxis an den Studiengang Weinbau und Oenologie stellt und wie man diesen dahingehend verbessern kann.

Was wünschst du dir für die deutsche Weinbranche, spezifisch auch für den badischen Wein?

Eine höhere Wertschätzung für unsere Arbeit, von Seiten der Verbraucher, als auch von Seiten der Politik. Hinzu kommt der Zusammenhalt innerhalb der Branche: Gerade was die politischen Herausforderungen angeht, müssen wir laut sein und dazu brauchen wir jede Stimme. Wir sitzen alle im selben Boot – wir alle wünschen uns einen zukunftsfähigen Weinbau. Deshalb müssen wir noch mehr an einem Strang ziehen.

Welchen Rat gibst du der nächsten amtierenden Weinkönigin auf den Weg?

Diplomatisch sein, den Zusammenhalt leben und einfach Gas geben, aber das machen die neuen Weinhoheiten bereits wunderbar.

(c) Titelbild: Sabrina Erdrich

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